Ist ‚el rojito‘ noch zu retten?

‚el rojito‘ ist ein Kaffee-Projekt der ersten Stunde. Es entstammt der Nicaragua-Bewegung der 1980er Jahre. Unter anderem unterstützt von der damaligen DKP versuchten ‚Nicaragua-Initiativen‘ die Sandinistische Revolution durch Import und Vertrieb von Kaffee aus Nicaragua zu unterstützen (viele kennen noch die ‚Sandino-Dröhnung‘). Mit dem ‚Nicaragua-Kaffee‘ wurde der solidarische Kaffee-Handel geboren, eine Idee, die sich inzwischen in viele Regionen der Kaffee-anbauenden Welt und auch auf andere Branchen ausgebreitet hat. ‚el rojito‘ zählt heute mit ca. 2 Millionen Euro Jahresumsatz und über 20 Angestellten zu den ganz Großen des solidarischen Kaffeehandels in Deutschland.

In der Außendarstellung steht bei ‚el rojito‘ der Begriff der Solidarität ganz oben. Allerdings scheint es damit intern nicht so weit her zu sein.

‚el rojito‘ hatte seit 2015 bis Ende 2019 eine sogenannte ‚Kollektive Geschäftsführung‘. Obwohl so etwas bestenfalls als Beginn einer kollektiven Binnenorganisation angesehen werden kann, fühlte man sich als Kollektivbetrieb und wurde auch so wahrgenommen. Mitglieder der ‚Kollektiven Geschäftsführung‘ waren auf Treffen der Hamburger Kollektivbetrieb-Szene vertreten und der Betrieb wurde z.B. auf ‚kollektivliste.org‘ als Kollektivbetrieb geführt. Seit Ende 2019 ist aber, wie Mitglieder der Belegschaft gegenüber der FAU Hamburg berichten, eine Rückentwicklung zu autoritären Führungsstrukturen zu beobachten.

Im September 2019 wurde eine über mindestens 10 Jahre andauernde Unterschlagung und Vorteilsnahme durch ein Mitglied von Vorstand und Geschäftsführung mit einer Gesamtschadenssumme im oberen 5-stelligen Bereich aufgedeckt. Diese Affäre wurde vom Rest-Vorstand erstaunlicherweise ziemlich schnell und geräuschlos aus der Welt geschafft. Im Dezember 2019 wurde der ‚Kollektiven Geschäftsführung‘ dann ihre faktische Machtlosigkeit vorgeführt, indem der Vorstand gegen das Votum der ‚Kollektiven Geschäftsführung‘ einen nahen Freund der Familie eines der alten Geschäftsführer als Buchhalter und neuen Geschäftsführer einstellte, obwohl eine qualifiziertere Bewerberin vorhanden war und die Entscheidung über eine solche Einstellung im Befugnisbereich der ‚Kollektiven Geschäftsführung‘ lag.

Dies führte zur faktischen Auflösung der ‚Kollektiven Geschäftsführung‘. Gegner*innen des neuen Kurses verließen freiwillig das Projekt oder wurden gekündigt. In diesem Zusammenhang sind üble Sachen passiert. So wurde einer Beschäftigten während einer Krankschreibung gekündigt. Im Zuge der darauf folgenden juristischen Auseinandersetzung wurde im Vorfeld eines Gerichtstermins eine Zeugenbeeinflussung versucht (Dokumente liegen der FAU vor). Eine andere Mitarbeiterin, die sich zu einer Corona-Risikogruppe zählt, wollte man zu einem neuen Arbeitsbereich mit intensivem Kundenkontakt zwingen, anderenfalls würden ihre Stunden und somit ihr Gehalt gekürzt.

Es wird von weiteren Willkürentscheidungen, von Vorteilsnahme und Günstlingswirtschaft der Geschäftsführung berichtet. Insbesondere ein bestimmter Geschäftsführer tue sich durch autoritär-patriarchalischen Führungsstil und explizite Intransparenz gegenüber den Beschäftigten bei ‚el rojito‘ hervor. So etwas ist aus unserer Sicht keinesfalls hinnehmbar und muss zur sofortigen Entfernung der handelnden Personen aus jeder Einflussposition führen.

Dabei steht sogar in Frage, ob der Vorstand von ‚el rojito‘ überhaupt durch eine ordnungsgemäße Wahl legitimiert ist. Beschäftigte von ‚el rojito‘, die ebenfalls Mitglieder des Trägervereins sind oder waren, berichten, sie könnten sich nicht erinnern, dass jemals eine Mitgliederversammlung stattgefunden hätte, welche ja den Vorstand wählen und auch regelmäßig neu wählen muss. Haben wir es hier womöglich mit einer selbsternannten linken Führungsclique zu tun, welche versucht, sich mit gut bezahlten Geschäftsführungsposten ihren Anteil am lukrativen Kaffee-Geschäft zu sichern?

Jedenfalls entsteht der Eindruck, dass das Wort ‚Solidarität‘ bei ‚el rojito‘ lediglich die Fassade ziert, aber für die Binnenorganisation des Projekts keine Rolle spielt. Solidarität bedeutet gegenseitige Hilfe auf Augenhöhe, und sie ist nicht nur im Verhältnis zu den Kaffeebäuer*innen in den Ursprungsländern gefragt, sondern auch bei uns, in unserem Verhältnis zueinander. Solidarität bedeutet die selbstbestimmte Kooperation Gleichgestellter und ist mit einer betrieblichen Binnenorganisation unvereinbar, in der wenige Vorstandsmänner das Kommando über viele lohnabhängig Beschäftigte führen.

Von Seiten des ‚el rojito‘-Vorstands wurde jüngst gegenüber Mitgliedern der FAU erklärt, dass man nicht vorhabe, zur ‚Kollektiven Geschäftsführung‘ zurückzukehren oder sich anders oder überhaupt in Richtung einer kollektiven Betriebsorganisation entwickeln zu wollen. Wenn das stimmt, sind bei ‚el rojito‘ die falschen Leute am Ruder. Auf diesem Kurs wird ‚el rojito‘ sehr schnell zu einer kapitalistischen Kaffeefirma mit einer trügerischen linken Fassade verkommen (wenn das nicht bereits der Fall ist).

Und was kann man tun? Nur die Belegschaft von ‚el rojito‘ kann daran etwas ändern. Wenn sie entschlossen ist, geht das sogar relativ leicht, und sie kann mit breiter Unterstützung aus der Szene rechnen, nicht nur von Seiten der FAU. Wenn nicht, werden die Kund*innen entscheiden. Immerhin gibt es, wie man hört, inzwischen einen Betriebsrat. Wir werden sehen, wie es weiter geht. Ihr seid gefordert. Holt euch euer Projekt zurück!

Leiharbeitsfirma Adecco schickt Streikbrecher

Bei der Geschäftsstelle von Adecco in der Hamburger Rathausstraße protestierte heute die FAU (Freie Arbeiterinnen- und Arbeiter Union Hamburg) gegen den Verleih von LeiharbeiterInnen als StreikbrecherInnen bei Eulen-ABB in Cordoba (Spanien).

Die Aktion war Teil eines internationalen Aktionstages gegen diesen Streikbruch und zur Unterstützung der streikenden KollegInnen bei ihrem Kampf gegen die Unzumutbarkeit der Leiharbeit.

34 ArbeiterInnen des Dienstleitungsunternehmens EULEN, die seit Jahren für den spanischen Maschinenbauhersteller ABB (in Cordoba) arbeiten, befinden sich seit dem 28.11.2011 in einem unbefristeten Streik für gleichen Lohn. Obwohl sie die gleichen Tätigkeiten wie ihre KollegInnen ausgeübt haben, erhielten sie nur den Mindestlohn und ihnen wurden weniger Rechte zugestanden.

ABB kündigte den Vertrag mit EULEN und heuerte billige LeiharbeiterInnen als StreikbrecherInnen von Eurocen/ADECCO an. EULEN entließ die Mitglieder des Streikkomitees sowie sämtliche GewerkschafterInnen unter den Streikenden. In Spanien werden die Streikenden von den Gewerkschaften CNT und CGT unterstützt.

Positionspapier Kollektivbetriebe

Die FAU ist eine anarcho-syndikalistische Gewerkschaft. Sie organisiert sich nach basisdemokratischen Prinzipien und strebt die Überwindung des Kapitalismus wie jeder Form von Herrschaft an. Dies versucht sie zu erreichen durch basisgewerkschaftliche Arbeit in den Betrieben und Unterstützung spontaner Widerstandsaktionen der Arbeitenden (Streiks, Besetzungen, Solidaritätsaktionen, etc.). Aber auch im politischen und kulturellen Feld ist die FAU aktiv. Generell geht es um den Aufbau herrschaftsfreier, selbstbestimmter Strukturen ‚jenseits von Staat und Kapital‘, wobei der ökonomischen Sphäre eine besondere Bedeutung zukommt.

Vor diesem Hintergrund erscheinen Kollektivbetriebe als etwas Besonderes. Sie sind Versuche, selbstbestimmtere Strukturen innerhalb der kapitalistischen Marktwirtschaft zu schaffen, Betriebe ‚ohne Chef und Hierarchien‘. Die FAU als Gewerkschaft nimmt zu ihnen eine andere Position ein, als zu ’normalen‘ kapitalistischen Unternehmen. Viele FAU- Mitglieder würden gerne in einem Kollektivbetrieb arbeiten.

Diese ‚andere Position‘ ist jedoch eher intuitiv, das Verhältnis zu Kollektivbetrieben und solidarischer Ökonomie ist nicht genau bestimmt. Kollektivbetriebe sind irgendwie ‚die guten Unternehmen‘, aber was ein ‚gutes Unternehmen‘ eigentlich ausmacht, ist nicht recht klar. Die Bedeutung von Kollektivbetrieben und solidarischer Ökonomie für den Aufbau einer herrschaftsfreier Gesellschaft ist in der FAU umstritten und deren (mögliches) Verhältnis zur gewerkschaftlichen Arbeit in den (kapitalistischen) Betrieben unbestimmt bzw. unterbestimmt.

Hier etwas mehr Klarheit zu gewinnen, zumindest eine Diskussion anzustoßen, ist das Ziel dieses Positionspapiers.

Download -> Positionspapier Kollektivbetriebe
Download -> Feuille de route ‚entreprise collective‘

Gewerkschafts-Verbot der FAU Berlin

„Unterstützt ver.di Gewerkschaftsverbote?“

Unter dem Motto „Unterstützt ver.di Gewerkschaftsverbote?“ fand am Freitag früh eine Kundgebung der Basisgewerkschaft ‚Freie ArbeiterInnen Union‘ (FAU) vor der Hamburger ver.di-Zentrale am Besenbinderhof statt.

Hintergrund der Aktion ist ein Urteil des Berliner Landgerichts vom 5. Januar 2010, durch welches der FAU-Berlin die Tariffähigkeit und damit das Recht abgesprochen wird, Arbeitskämpfe zu führen. Zugleich wird ihr untersagt, sich weiterhin ‚Gewerkschaft‘ oder ‚Basisgewerkschaft‘ zu nennen. Nach Ansicht der FAU ist dies ein „faktisches Gewerkschaftsverbot“.

Das Urteil ist der vorläufige Höhepunkt eines Arbeitskampfes im Berliner Kino ‚Babylon‘. Beschäftigte dieses halb-kommunalen Kinos, das vom Berliner Senat jährlich mit über 300.000 EUR gefördert wird, wollten gewerkschaftlich aktiv werden, dabei aber über ihre Belange selbst entscheiden können – deshalb organisierten sie sich in der basisdemokratischen FAU. Die Geschäftsführung des Babylon Kinos weigerte sich jedoch, mit der FAU zu verhandeln. Statt dessen schloss sie – vermittelt durch die regierende Linkspartei – einen Tarifvertrag mit ver.di ab. „Ohne Verankerung im Betrieb war das Ergebnis der Verhandlungen von ver.di mit der Geschäftsführung ein Gefälligkeitstarifvertrag, deutlich unter dem eigenen Flächentarif“, so die Einschätzung der FAU-Berlin.

Aber damit nicht genug: Inzwischen hat die Babylon-Geschäftsführung beantragt, gegen die FAU-Berlin ein Ordnungsgeld (bis zu 250.000 Euro) oder ersatzweise Haft für ihr Sekretariat (bis zu sechs Monaten) zu verhängen. Sie habe gegen das Verbot verstoßen und sich weiterhin „sinngemäß“ als Gewerkschaft präsentiert. Aktive der FAU-Berlin sehen sich aufgrund ihrer Arbeit akut von einer Gefängnisstrafe bedroht. „Jetzt geht es an die menschenrechtliche Substanz“, so die FAU-Berlin.

Mit ihrer Aktion will die FAU-Hamburg ver.di auffordern, zum Urteil des Berliner Landgerichts Stellung zu nehmen und sich klar gegen jede Art von Verbot gewerkschaftlicher Tätigkeit zu positionieren, wie es z.B. der AK Internationalismus der IG-Metall Berlin bereits getan hat (vgl. http://www.labournet.de/igm-akint.berlin/dokumente/Soli-Erklaerung%20fuer%20FAU.pdf).

Weitere Infos, mehr Hintergrund: www.fau.org/verbot

Inhaftierung serbischer Genossen

Protest vor Serbischem Generalkonsulat

Heute vormittag versammelten sich Aktivisten der basisdemokratischen Gewerkschaft FAU (Freie ArbeiterInnen Union) vor dem Serbischen Generalkonsulat am Harvestehuder Weg in Hamburg.

Sie protestierten gegen die Verhaftung von fünf serbischen Genossen am 4. September in Belgrad, gegen die aufgrund einer angeblichen Beteiligung an einer Sachbeschädigungen an der griechischen Botschaft eine 30-tägige Untersuchungshaft verhängt worden war.

Die basisdemokratische Gewerkschaft ASI (Anarhosindikalistièka Inicijativa), in der die meisten der Beschuldigten organisiert sind, hat sich zwar stets von Anschlägen dieser Art distanziert, in den bürgerlichen Medien Serbiens setzte trotzdem gleich nach dem Vorfall eine Kampagne gegen die GewerkschafterInnen der ASI ein, die mit Veröffentlichungen von Fotos und Namen einer Vorverurteilung gleichkam.

Hintergrund der Verhaftung, so wird in Gewerkschaftskreisen vermutet, könnte die Tatsache sein, dass die ASI in Serbien zur Zeit turnusmäßig das Sekretariat der internationalen Gewerkschafts-Assoziation IAA innehat. Es dränge sich der Verdacht auf, dass hier unter dem Vorwurf des „Terrorismus“ gegen basisdemokratische Gewerkschaften prinzipiell vorgegangen werden soll. Mit ähnlichen Repressionen hatte das Sekretariat der IAA zuletzt unter dem Diktator Franco in Spanien zu kämpfen.

Gewerkschafterinnen und Gewerkschafter unschuldig in serbischen Gefängnissen!

Am 4. September wurden in Beograd die GewerkschafterInnen Sanja Dojkic, Tadej Kurep, Nikola Mitrovic, Ratibor Trivunac und Ivan Vulovic festgenommen. Man wirft Ihnen vor, an Sachbeschädigungen der griechischen Botschaft beteiligt gewesen zu sein. Unter dem absurden Vorwand „Internationaler Terrorismus“ wurde am gleichen Abend eine 30-tägige Untersuchungshaft verhängt.

Tatsche ist, dass die meisten der Beschuldigten Mitglieder der basisdemokratischen Gewerkschaft ASI (Anarhosindikalistička Inicijativa) sind. Die ASI und die Verhafteten selbst haben sich stets von diesem und ähnlichen Anschlägen distanziert. Zitat: „Diese Methoden des individuellen politischen Kampfes sind nicht die Methoden des Anarchosyndikalismus, ganz im Gegenteil! Wir vertreten unsere politischen Standpunkte öffentlich und versuchen durch unsere Aktionen die Masse der ArbeiterInnen in Kontakt mit den gewerkschaftlichen Kämpfen und freiheitlichen und fortschritlichen Organisationen zu bringen.“

In den bürgerlichen Medien Serbiens setzte allerdings gleich nach dem Vorfall eine Kampagne gegen die GewerkschafterInnen der ASI ein, die mit Veröffentlichungen von Fotos und Namen einer Vorverurteilung gleichkommt.

Zusätzlich brisant ist, dass die Genossinnen und Genossen der ASI in Serbien zur Zeit turnusmäßig das Sekretariat der internationalen Gewerkschafts-Assoziation IAA innehaben. Es drängt sich der Verdacht auf, dass hier unter dem lächerlichen Vorwurf des „Terrorismus“ basisdemokratische Gewerkschaften prinzipiell kriminalisiert werden sollen. Mit ähnlichen Repressionen hatte das Sekretariat der IAA zuletzt unter dem Diktator Franco in Spanien zu kämpfen.

Wir fordern die sofortige und bedingungslose Freilassung aller festgenommenen Gewerkschafterinnen und Gewerkschafter in Serbien!

Freie Arbeiterinnen- und Arbeiter-Union (FAU-IAA)

Leiharbeit abschaffen

Vor der ‚Agentur für Arbeit‘ im Nagelsweg im Hamburg fand heute vormittag eine Protestaktion der FAU (Freie ArbeiterInnen Union) statt. Die anarchosyndikalistische Basisgewerkschaft kritisiert „modernen Menschenhandel“ und fordert die Abschaffung der Leiharbeit.

Die Aktion war Teil einer bundesweiten Kampagne gegen Leiharbeit, die von
Einzelgewerkschaften des Dachverbands FAU initiiert wurde. Die FAU war zuletzt durch ihre Kampagne für Tarifverhandlungen im „alternativen“ Kino Babylon in Berlin aufgefallen und ist manchen LeserInnen noch durch die „Strike Bike“ Aktion bekannt.

Hintergrund der auch von vielen anderen Organisationen getragenen Kampagne „Leiharbeit abschaffen“ ist unter anderem ein Urteil des Berliner Arbeitsgerichts aus dem Frühjahr des Jahres 2009. Das Berliner Arbeitsgericht hat der Tarifgemeinschaft Christlicher Gewerkschaften (CGZP) die Tariffähigkeit abgesprochen, weil diese keine personelle Basis
habe und nicht im Sinne der LeiharbeiterInnen verhandele.

„Damit ist einer der Dumping-Lohn Tarifverträge vom Tisch, mit dem die Gleichbehandlung von LeiharbeiterInnen mit den Beschäftigten in den Entleihbetrieben umgangen werden konnte. Unseres Erachtens gibt es für die Gewerkschaften des DGB jetzt keinen Anlass mehr, mit den Dachverbänden der Leiharbeit über Tarifverträge zu verhandeln.“ betont Torsten Bewernitz, Organisationssekretär der FAU.

Dass es die Tarifverträge in der Leiharbeitsbranche überhaupt gibt, liegt nach Auffassung der Organisatoren der Kampagne daran, dass die Leiharbeitsbranche diese benötigt, um den europäischen Gleichbehandlungsgrundsatz („eqal pay & equal treatment“) zu
unterwandern.

„Die Tarifverträge wurden auch deshalb notwendig, weil Kundenbetriebe infolge des Gleichbehandlungsgrundsatzes auf den Einsatz von ZeitarbeitnehmerInnen. verzichtet hätten. Die Dienstleistung Zeitarbeit wäre zu teuer geworden […]“ betont etwa der Dachverband BZA (Bundesverband Zeitarbeit).

„Das Phänomen Leiharbeit ist eskaliert. In den letzten fünf Jahren ist die Zahl der LeihabeiterInnen von 300.000 auf 800.000 gestiegen. Jeder achte von ihnen erhält zusätzlich Zahlungen nach Hartz IV“ erläutert Bewernitz.

Auch die Agenturen für Arbeit sind in der Kritik der FAU: Sie würden, so die Organisatoren, durch den Zwang jede miserabel bezahlte Arbeit anzunehmen, „Dumping-Löhne“ ermöglichen und unterstützen.

Die Kampagne fordert daher die Nachzahlung der Löhne für LeiharbeiterInnen nach dem EU-Grundsatz des „equal pay & equal treatment“, die Übernahme der LeiharbeiterInnen in Festbeschäftigungsverhältnisse in den Entleihfirmen und damit konsequent die Abschaffung der Leiharbeit.