Ist ‚el rojito‘ noch zu retten?

‚el rojito‘ ist ein Kaffee-Projekt der ersten Stunde. Es entstammt der Nicaragua-Bewegung der 1980er Jahre. Unter anderem unterstützt von der damaligen DKP versuchten ‚Nicaragua-Initiativen‘ die Sandinistische Revolution durch Import und Vertrieb von Kaffee aus Nicaragua zu unterstützen (viele kennen noch die ‚Sandino-Dröhnung‘). Mit dem ‚Nicaragua-Kaffee‘ wurde der solidarische Kaffee-Handel geboren, eine Idee, die sich inzwischen in viele Regionen der Kaffee-anbauenden Welt und auch auf andere Branchen ausgebreitet hat. ‚el rojito‘ zählt heute mit ca. 2 Millionen Euro Jahresumsatz und über 20 Angestellten zu den ganz Großen des solidarischen Kaffeehandels in Deutschland.

In der Außendarstellung steht bei ‚el rojito‘ der Begriff der Solidarität ganz oben. Allerdings scheint es damit intern nicht so weit her zu sein.

‚el rojito‘ hatte seit 2015 bis Ende 2019 eine sogenannte ‚Kollektive Geschäftsführung‘. Obwohl so etwas bestenfalls als Beginn einer kollektiven Binnenorganisation angesehen werden kann, fühlte man sich als Kollektivbetrieb und wurde auch so wahrgenommen. Mitglieder der ‚Kollektiven Geschäftsführung‘ waren auf Treffen der Hamburger Kollektivbetrieb-Szene vertreten und der Betrieb wurde z.B. auf ‚kollektivliste.org‘ als Kollektivbetrieb geführt. Seit Ende 2019 ist aber, wie Mitglieder der Belegschaft gegenüber der FAU Hamburg berichten, eine Rückentwicklung zu autoritären Führungsstrukturen zu beobachten.

Im September 2019 wurde eine über mindestens 10 Jahre andauernde Unterschlagung und Vorteilsnahme durch ein Mitglied von Vorstand und Geschäftsführung mit einer Gesamtschadenssumme im oberen 5-stelligen Bereich aufgedeckt. Diese Affäre wurde vom Rest-Vorstand erstaunlicherweise ziemlich schnell und geräuschlos aus der Welt geschafft. Im Dezember 2019 wurde der ‚Kollektiven Geschäftsführung‘ dann ihre faktische Machtlosigkeit vorgeführt, indem der Vorstand gegen das Votum der ‚Kollektiven Geschäftsführung‘ einen nahen Freund der Familie eines der alten Geschäftsführer als Buchhalter und neuen Geschäftsführer einstellte, obwohl eine qualifiziertere Bewerberin vorhanden war und die Entscheidung über eine solche Einstellung im Befugnisbereich der ‚Kollektiven Geschäftsführung‘ lag.

Dies führte zur faktischen Auflösung der ‚Kollektiven Geschäftsführung‘. Gegner*innen des neuen Kurses verließen freiwillig das Projekt oder wurden gekündigt. In diesem Zusammenhang sind üble Sachen passiert. So wurde einer Beschäftigten während einer Krankschreibung gekündigt. Im Zuge der darauf folgenden juristischen Auseinandersetzung wurde im Vorfeld eines Gerichtstermins eine Zeugenbeeinflussung versucht (Dokumente liegen der FAU vor). Eine andere Mitarbeiterin, die sich zu einer Corona-Risikogruppe zählt, wollte man zu einem neuen Arbeitsbereich mit intensivem Kundenkontakt zwingen, anderenfalls würden ihre Stunden und somit ihr Gehalt gekürzt.

Es wird von weiteren Willkürentscheidungen, von Vorteilsnahme und Günstlingswirtschaft der Geschäftsführung berichtet. Insbesondere ein bestimmter Geschäftsführer tue sich durch autoritär-patriarchalischen Führungsstil und explizite Intransparenz gegenüber den Beschäftigten bei ‚el rojito‘ hervor. So etwas ist aus unserer Sicht keinesfalls hinnehmbar und muss zur sofortigen Entfernung der handelnden Personen aus jeder Einflussposition führen.

Dabei steht sogar in Frage, ob der Vorstand von ‚el rojito‘ überhaupt durch eine ordnungsgemäße Wahl legitimiert ist. Beschäftigte von ‚el rojito‘, die ebenfalls Mitglieder des Trägervereins sind oder waren, berichten, sie könnten sich nicht erinnern, dass jemals eine Mitgliederversammlung stattgefunden hätte, welche ja den Vorstand wählen und auch regelmäßig neu wählen muss. Haben wir es hier womöglich mit einer selbsternannten linken Führungsclique zu tun, welche versucht, sich mit gut bezahlten Geschäftsführungsposten ihren Anteil am lukrativen Kaffee-Geschäft zu sichern?

Jedenfalls entsteht der Eindruck, dass das Wort ‚Solidarität‘ bei ‚el rojito‘ lediglich die Fassade ziert, aber für die Binnenorganisation des Projekts keine Rolle spielt. Solidarität bedeutet gegenseitige Hilfe auf Augenhöhe, und sie ist nicht nur im Verhältnis zu den Kaffeebäuer*innen in den Ursprungsländern gefragt, sondern auch bei uns, in unserem Verhältnis zueinander. Solidarität bedeutet die selbstbestimmte Kooperation Gleichgestellter und ist mit einer betrieblichen Binnenorganisation unvereinbar, in der wenige Vorstandsmänner das Kommando über viele lohnabhängig Beschäftigte führen.

Von Seiten des ‚el rojito‘-Vorstands wurde jüngst gegenüber Mitgliedern der FAU erklärt, dass man nicht vorhabe, zur ‚Kollektiven Geschäftsführung‘ zurückzukehren oder sich anders oder überhaupt in Richtung einer kollektiven Betriebsorganisation entwickeln zu wollen. Wenn das stimmt, sind bei ‚el rojito‘ die falschen Leute am Ruder. Auf diesem Kurs wird ‚el rojito‘ sehr schnell zu einer kapitalistischen Kaffeefirma mit einer trügerischen linken Fassade verkommen (wenn das nicht bereits der Fall ist).

Und was kann man tun? Nur die Belegschaft von ‚el rojito‘ kann daran etwas ändern. Wenn sie entschlossen ist, geht das sogar relativ leicht, und sie kann mit breiter Unterstützung aus der Szene rechnen, nicht nur von Seiten der FAU. Wenn nicht, werden die Kund*innen entscheiden. Immerhin gibt es, wie man hört, inzwischen einen Betriebsrat. Wir werden sehen, wie es weiter geht. Ihr seid gefordert. Holt euch euer Projekt zurück!

Solidarität von Hamburg nach Dhaka

Etwa 6.000 Textilarbeiter*innen der Dragon Sweaters Fabrik in Dhaka (Bangladesch) kämpfen weiter für die Auszahlung voller Gehälter und Bonuszahlungen nachdem sie im März 2020 entlassen wurden.

Um diese Arbeiter*innen zu unterstützen, versammelten sich Mitglieder der FAU Hamburg vor der New Yorker Filiale in der Spitalerstraße am 03.07.2020 und verteilten Flyer in denen sie auf den Konflikt aufmerksam machten.

Die FAU Hamburg steht in direktem Kontakt mit der Gewerkschaft vor Ort, dem Garment Workers‘ Trade Union Center (GWTUC). Durch dieses wurde uns bestätigt, dass neben Lidl und Walmart die letzten Klamotten in der Fabrik für New Yorker angefertigt wurden.

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Krank ist das System – doch pflegen werden wir es nicht!

Wie jedes Jahr, so auch anscheinend weitgehend dem öffentlichen Bewusstsein entrückt, der 12. Mai der Tag der Pflege. Dabei wird auch an Florence Nightingale (12.05.1820 – 13.08.1910) erinnert, die als eine der Begründer/*_Innen der modernen westlichen Krankenpflege einflussreiche Reformerin des Sanitätswesens und der Gesundheitsfürsorge Großbritannien und Verfasserin der Gründungsschriften der Pflegetheorie und gilt. Ihrer Ansicht nach war und ist die Pflegewissenschaft als eigenständige Disziplin von ebenso großer Bedeutung wie die Medizin. Hiervon ist heute wenig zu spüren.

Seit Jahren arbeiten Menschen in der Alten- und Krankenpflege und in artverwandten Berufen, wie etwa Heilerzieher/*_Innen unter teils schwierigen bis desaströsen Bedingungen. Schichtdienst und Einzeldienste, Personalmangel und die Erwartung jederzeit einsatzbereit zu sein sind nur die sichtbaren Auswirkungen. Hinzu kommen als quasi berufsbedingte Begleiterscheinung häufig Erschöpfungszustände bis zum Burn-Out, Stresszustände und bedingt durch den Schichtdienst oftmals auch Vereinzelung und Einsamkeit.
Die Leistung, die in diesen Berufen wird teilweise belächelt, da die oftmals von der Politik vertretenden Meinung diejenige ist, dass die entsprechende Arbeit von fast jedem nach einer kurzen Anlernphase erbracht werden kann. Beispielhaft hierfür wären FSJler/*_Innen, BFDler/*_Innen, Praktikant/*_Innen und in der Folge auch von ungelernten Assistenzkräften.
Entsprechend niedrig ist dementsprechend auch die Entlohnung, wie dies so häufig in sog. „typischen Frauenberufen“ der Fall ist. Berufliche und private Care-Arbeit verbinden sich hier oftmals zu einer doppelten Belastung, Anerkennung und Bezahlung im Grunde gleich null. Produziert wird in diesem Sektor unter kapitalistisch verwertbarem Aspekt ja auch unmittelbar nichts.
Hinzu kommt eine ausgesprochen niedrige Tarifbindung in diesen Berufsgruppen. Geprägt von einem überwiegend eher karitativen Berufsethos, mangelnder gesellschaftlicher Anerkennung und aber auch der eingeschränkten Möglichkeiten für bessere Bezahlung kämpfen oder gar streiken zu können (im Falle eines Streikes muss die Versorgung des Klientel weiterhin aufrechterhalten werden)oder auch das Solidaritätsempfinden in diesen Berufsgruppen nicht ausreichend ist.

Nun stellt die Corona-Krise die Welt ein Stück weit auf den Kopf.
Plötzlich gelten Pflegekräfte und Supermarktangestellte exemplarisch als systemrelevant und Held/*_Innen der Krise, als diejenigen, die die Gesellschaft unter anderem mit aufrechterhalten. Sie werden überhäuft mit Balkon-Applaus, kitschigen warmen Worten und billiger Schokolade. Die Arbeitsbedingungen aber sind noch immer die gleichen, bzw. haben sich vor dem Hintergrund der aktuellen Situation noch erschwert. Die schlechte Bezahlung und die mangelnde Tarifbindung, die kapitalistische Ausbeutung des Gesundheitssystems sind weiter existent. Selbst Bundesarbeitsminister Heil erkennt plötzlich, wie schlecht die Bezahlung in diesem beruflichen Sektor üblicherweise ist. (https://web.archive.org/…/i…/heil-lohn-pflegeberufe-101.html, zuletzt eingesehen am 05.05.2020).
Dennoch werden die Umstände, die zu dieser Situation führen mit keinem Wort in Frage gestellt. Statt dessen wird am System herum gedoktert und kritische Zustände schön geredet oder durch massive Unterschreitung von Personaluntergrenzen in Krankenhäusern kaschiert, Personalengpässe in Pflegeeinrichtungen durch panikartige befristete Einstellung von ungelernten Assistenzkräften und Aushilfen vertuscht. Auch, wenn COVID-19 dereinst bewältigt sein mag – werden sich im Nachgang sicherlich keine Verbesserungen einstellen, im Gegenteil alles deutet auf die Aufrechterhaltung des kapitalistischen Gesundheitssystems hin. Dieses wird genauso exklusiv bleiben, wie jetzt auch werden Menschen am Rande der Gesellschaft weiterhin in Teilen oder gänzlich ausgeschlossen bleiben.

Pflege und Gesundheit gehören nicht in die Hände privater kapitalistischer Unternehmen.!
Wir fordern daher: eine Kollektivierung der Pflegeeinrichtungen und Krankenhäuser mit ausreichendem Urlaubsanspruch und einem Grundgehalt, das €20,– die Stunde für das Pflegepersonal erreicht, sowie einen Flächentarif für die Pflegeberufe. Steuerfreie Gefahren- und Schichtzulagen, ein Ende der Unterschreitung von Personal-Untergrenzen und in Krankenhäusern und Pflegeeinrichtungen, bzw. eine adäquate Personaldecke. Zugang zum Gesundheits- und Pflegesystem für alle!

COVID-19-Krise: Kollektiviert eure Betriebe jetzt! Szenario II

Mit der Kontrolle über die Pandemie werden die gesellschaftlichen Auswirkungen von Covid-19 nicht vorbei sein. Alle Staaten pumpen jetzt Unsummen an Geld in die Wirtschaft, sofern diese es sich leisten können, damit der erzwungene Stillstand keine längerfristigen Folgen hat. Denn es besteht die Gefahr, dass eine für die kapitalistische Wirtschaft lähmende Kettenreaktion in Gang tritt. Durch die Einschränkungen, aufgrund der Pandemie, bricht die Nachfrage ein. In der Folge gehen Firmen durch die fehlenden Einnahmen pleite. Die ehemaligen Arbeiter_innen und Angestellten haben weniger Geld zur Verfügung, wodurch die Nachfrage weiter einbricht. Wenn das flächendeckend passiert, bricht womöglich die grundlegende Versorgung zusammen.

Wir haben bereits einen Text veröffentlicht, in dem wir beim Bankrott einzelner Betriebe empfehlen, zu prüfen, ob es eine Möglichkeit ist, diesen als Belegschaft in Selbstverwaltung weiter zu führen, also zu kollektivieren. Im Folgenden soll es um ein weiteres Szenario gehen.

Es soll jetzt nicht darüber spekuliert werden, wie wahrscheinlich das Eintreten einer umfassenden Wirtschaftskrise ist, oder was die genauen Mechanismen dahinter sind. Das wurde und wird an anderen Stellen ausreichend diskutiert. Uns reicht es hier, dass es diese Möglichkeit gibt. Und für den Fall des Eintretens geht es uns darum, etwas Wesentliches in Erinnerung zu rufen, was dem Wesen der kapitalistischen Gesellschaft widerspricht: nur weil die kapitalistische Form der Produktion und Verteilung von Reichtum, in Form von Waren, verschwindet, geht damit nicht der tatsächliche, stoffliche Reichtum verloren.

In anderen Worten: ein Betrieb mag durch Covid-19 Bankrott gehen und seine Produktionsmittel werden damit ins Abseits gestellt. In der Folge werden weder Arbeitskräfte angestellt, noch Waren auf den Markt geworfen. Trotzdem sind die Produktionsmittel auch weiter ohne Verluste vorhanden und haben auch weiterhin das Potential, Güter herzustellen. Und auch die Arbeiter_innen, die zuvor gegen Lohn dort Waren produziert haben, gibt es noch, genauso deren Wissen, um die ganzen Gegenstände wie, Gebäude, Räume, Maschinen, Werkzeuge, Pläne u.ä., sinnvoll zu nutzen.

Deshalb, sollte es nun ganz dicke kommen und viele Betriebe die Pforten schließen: nehmt Kontakt mit euren Kolleg_innen auf; sprecht bekannte Kolleg_innen an, die ihre Bekannten ansprechen und so weiter und versammelt euch im Betrieb. Bildet eine Strukur, um Entscheidungen finden zu können, ein Betriebskomitee oder -rat, und vernetzt euch mit den Gewerkschaften und anderen Betrieben. Dann überlegt gemeinsam, wie der Betrieb sinnvoll zu nutzen ist.

Wenn die Wirtschaft im großen Stil zusammenbricht, geht es um die Versorgung mit allem Lebensnotwendigen, da ist im Zweifel gar nicht die Zeit, um juristische Verhandlungen abzuwarten. Die Versorgung mit Lebensmitteln, Mobilität, medizinischem Material, Strom und vielem anderem muss sichergestellt werden! Und wer sollte das besser können, wenn nicht wir?

Es gibt Beispiele, bei denen das im großen Stil geklappt hat. Dazu muss gar nicht auf die Kollektivierungen im spanischen Bürgerkrieg zurückgeschaut werden. Während der Wirtschaftskrise 2001 gingen in Argentinien zahllose Firmen bankrott und viele wurden durch die Belegschaft in Selbstverwaltung weitergeführt. Je nach Ausmaß so einer Bewegung kann das ein Anstoß für eine umfassende soziale Revolution sein, ein Umbau zu einer Gesellschaft, in der nicht mehr der Markt, sondern der Bedarf, die Produktion bestimmt.  Aber auch ohne dieses Ziel vor Augen muss der Schritt einer Besetzung* nicht gefürchtet werden: in Argentinien sind viele besetzte Betriebe im Nachhinein legalisiert worden und produzieren nun selbstverwaltet.

Auch wenn es nicht so hart kommt, wird es einen Kampf um die Verteilung der Lasten durch die Covid-19 Pandemie in der Gesellschaft geben. Es ist natürlich am besten, sich bereits in ruhigen Zeiten zu organisieren und für Kämpfe und Konflikte vorzubereiten, aber spätestens jetzt ist der Zeitpunkt: organisiert euch in Gewerkschaften, bildet Betriebsgruppen, sprecht mit euren Kolleg_innen darüber.

Keine Angst, wir haben eine Welt zu gewinnen!

*Eine Besetzung ist legal möglich, zum Beispiel durch eine ständige Betriebsversammlung, umgesetzt beim Kampf gegen die Schließung der Fahrradfabrik “Bike Systems” in Nordhausen, 2007, bei der in Selbstverwaltung das Strike Bike produziert wurde.

COVID-19-Krise: Kollektiviert eure Betriebe jetzt!

Bund und Länder sowie die meisten Regierungen der europäischen Länder haben finanzielle Hilfen versprochen für Betriebe, die aufgrund der Corona-Krise in wirtschaftliche Schwierigkeiten geraten. Man wird sehen, was daraus wird und wann und wie viel tatsächlich unten ankommt.

Sollte euer Betrieb dennoch in die Insolvenz gehen, solltet ihr als Belegschaft überlegen, ob ihr nicht euren Betrieb übernehmen wollt. Die Insolvenz ist eine günstige Gelegenheit dafür, insbesondere dann, wenn noch Gehaltszahlungen ausstehen. Denn erstens sind Betriebe in Insolvenz in der Regel ‚preiswert‘ (man könnte auch sagen: unterbewertet). Zweitens seid ihr als Belegschaft in diesem Fall selbst eine vorrangige Gläubigerin des insolventen Betriebs und habt somit eine gewichtige Stimme im Insolvenzverfahren. Hinzu kommt, dass die Insolvenzverwalter_innen gehalten sind, möglichst viele Arbeitsplätze zu erhalten. Ein Szenario könnte sein: Die Belegschaft steigt als neue Eigentümerin in den Betrieb ein und verzichtet als Gegenleistung auf die ausstehenden Lohnzahlungen. Dann braucht es noch etwas Startkapital (Direktkredite von Familie/Freunden, Existenzgründungskredit der KfW, Crowdfunding, etc.), um andere Gläubiger_innen abzufinden und den Betrieb wieder flott zu machen.

Natürlich gibt es noch unzählige andere Wege, wie eine Belegschaft ihren Betrieb übernehmen kann, dies ist nur ein Beispiel. Auch wenn der Betrieb noch nicht insolvent, aber in finanziellen Nöten ist, lohnt sich ein Gespräch mit der Chefin. Viele Eigentümer_innen, insbesondere von Kleinbetrieben, sind in einer solchen Situation gar nicht abgeneigt, die Verantwortung zu teilen und neue Leute mit ins Boot zu nehmen, die u.U. auch noch etwas Geld beschaffen können. In dieser Situation kommt es darauf an, dass von Anfang an die gleichberechtigte Partizipation aller Eigentümer_innen rechtsverbindlich festgelegt wird und geeignete innerbetriebliche Verfahren und Strukturen für die kollektive Entscheidungsfindung entwickelt werden. Ansonsten geht es normalerweise einfach weiter wie bisher.

Lasst euch beraten. Sucht euch eine Anwältin oder einen Anwalt mit Erfahrungen im Insolvenz- bzw. Gesellschaftsrecht, um euch als Belegschaft beraten und vertreten zu lassen. Ein erstes Sondierungsgespräch sollte in jedem Fall kostenlos sein. Gerne könnt ihr euch auch an die FAU-Hamburg wenden, wir beraten und unterstützen euch bei organisatorischen, finanziellen und rechtlichen Fragen im Zusammenhang mit der (Neu-)Gründung eures Kollektivbetriebs und vermitteln ggf. kompetente Anwältinnen oder Anwälte.

Wer genauer wissen möchte, was sich die FAU-Hamburg unter einem Kollektivbetrieb vorstellt und wozu das gut sein soll, sollte sich unser Positionspapier ansehen: https://hamburg.fau.org/…/Positionspapier-Kollektivbetriebe…

Kontakt: fauhh-kollektive@fau.org

Dabindu Collective: International Day for the Elimination of Violence Against Women

Vor einem Monat ging die GewerkschaftsTour – Nähfabriken in Asien zu Ende.

Eine der Referentinnen war Chamila vom Dabindu Collective in Sri Lanka. Die Vernetzung besteht weiterhin und wir arbeiten daran diese auszubauen.

Gestern, dem 08.12.2019, versammelten sich Näherinnen, die im Dabindu Collective organisiert sind, in Vavuniya. Vavuniya ist eine Stadt in der Nordprovinz Sri Lankas, welche überwiegend von der tamilischen Minderheit bewohnt wird und in welcher sich viele Nähfabriken befinden. Sie protestierten gegen sexuelle Übergriffe am Arbeitsplatz.

Im Vorfeld wurde uns dieser Text zugeschickt:

We look forward to celebrating 16 Days activism for violence against women on the 8th of December in Vavuniya on collaboration with 150 women workers in Kilinochchi and Vavuniya and civil society as we have been doing annually. A special speech to motivate women workers on their basic rights and make them aware of such rights will be presented at the event. Women workers from Kilinochchi and Vavuniya will be sharing their personal experiences as well. We hope to invite the media to give us coverage during the program. In addition to that, we formed vital demands to be promoted on the day of the program and they are as follows.

  • Fight for a decent job and social dialogue.

  • Thumbs down to GBV at the workplace.

  • Say „YES“ to a woman’s basic rights.

  • Ensure security at the workplace and for living wages.

  • Join the loop to provide a secured ambiance for all.

  • Boost ethical social dialogue.

Wir möchten dies zum Anlass nehmen uns mit den Protestierenden zu solidarisieren. Wir bleiben in Kontakt mit dem Dabindu Collective und bieten auch in Zukunft unsere Unterstützung an.

Als nächstes werden wir uns am Aktionstag #Freitag13 (13.12.) der Initiative Arbeitsunrecht beteiligen. Zusammen mit der lokalen IWW (Industrial Workers of the World) sowie ATIF (Föderation der Arbeiter*innen aus der Türkei in Deutschland) rufen wir zu einer Kundgebung in der Innenstadt beim Mönkebergbrunnen zwischen 16 und 18 Uhr auf. Hierbei solidarisieren wir uns mit den Lohnabhängigen bei H&M, die sich für bessere Arbeitsbedingungen einsetzen und thematisieren gleichzeitig die Arbeitsbedingungen der Näherinnen, um Arbeitskämpfe innerhalb der Wertschöpfungskette zusammen zu führen.

#1world1struggle

Die Sektion Bildung und Soziale Arbeit hat sich gegründet

In der FAU Hamburg sind überdurchschnittlich viele Menschen organisiert, die im Bereich des Bildungswesens und/oder der sozialer Arbeit tätig sind. Daher haben wir entschlossen uns als Sektion zusammenzuschließen um uns kontinuierlich mit Problemen aus unserem Arbeitsleben zu beschäftigen. Aktuelle Themenschwerpunkte sind die Unterstützung von Arbeitskämpfen in der Pflege und von wissenschaftlichen Mitarbeiter*innen an der Uni.

Wenn Du selbst im genannten Bereich arbeitest, egal ob als studentische Hilfskraft oder in Ausbildung, ob als Nebenjob oder hauptberuflich und Lust hast dich einzubringen melde dich unter fauhh-bildungsoziales@fau.org.

8m! Frauenstreik am 8. März!

Ohne unsere Arbeit würde sich auf dieser Welt kein Rad mehr drehen: Wir haben die Macht, die Welt anzuhalten und sie grundlegend zu verändern!

Aufruf zum internationalen 8. März-Streik

Der 8. März ist der internationale Frauenkampftag. Seit Jahrzehnten gehen wir an diesem Tag auf die Straße, um unsere Erfahrungen und die gesellschaftlichen Missstände sichtbar zu machen, denen wir täglich ausgesetzt sind. Wir sind Frauen, Lesben, nicht-binäre, trans und inter Personen und wir sind Teil einer internationalen Bewegung. Diese hat allein in den letzten Jahren von Polen bis Argentinien, von New York bis Hongkong, von Spanien bis Nigeria Millionen Menschen auf die Straßen gebracht. Auch 2019 werden wir, in Hamburg und auf aller Welt, die Spülbecken voll und die Bürostühle leer lassen: Wir werden demonstrieren und wir werden streiken!

zum Aufruf

Kommt zum gemeinsamen Frühstücken, zur Kundegebung, zur Demo und zum Abschlußkonzert!

Aktuelle Infos finden sich beim Hamburger Bündnis zum internationalen 8. März Streik

Gemeinsam gegen rassistische Asylpolitik!

Infoveranstaltung mit der Gruppe No Lager Horst

english below

Info Veranstaltung: Freitag 25.1.19
ab 19 Uhr Essen und Info
ab 20:30 Kneipe
Schwarze Katze, Fettstraße 23

Wir setzen unsere Solidarität gegen ihre Isolation.
Für eine Gesellschaft jenseits von Ausgrenzung & Unterdrückung.
Gemeinsam gegen rassistische Asylpolitik!

Wir wollen mit euch über die Forderungen der Menschen in Horst sprechen und Strategien entwerfen.

Horst in Mecklenburg-Vorpommern, 2019: EU-Rechte für geflüchtete Menschen werden verweigert.

In Folge des Pogroms 1992 von Rostock-Lichtenhagen wurde die Erstaufnahme aus dem städtischem Gebiet Rostocks nach Nostorf/Horst verlegt.
Der Alltag in einer ehemaligen Kaserne bedeutet für die Menschen Isolation, Ausgrenzung und Diskriminierung.Diesist politisch gewollt und Horst ist dabei bundesweit kein Einzelfall.

Jetzt hat zwar das Land Hamburg zu September 2019,den Vertrag gekündigt, in Mecklenburg-Vorpommern hingegen, wird über die Umwandlung in ein sogenanntes Ankerzentrum diskutiert.

Die Realität derjenigen die in Horst um ein Bleiberecht kämpfen ist geprägt von Verweigerung medizinischer Behandlungen über Jahre, sowie versperrten Rechtswegen ohne ausreichende Beratung.
NGOs und Personen, die Beratung, Unterstützung und Begleitung anbieten, ist der Zutritt in das Lager und zu den Menschen verboten.

Seit 2013 sollten Mindeststandards an Rechtsstaatlichkeit, Versorgung und Freizügigkeit für geflüchtete Menschen in den Mitgliedsstaaten durch die europäische Aufnahmerichtlinie gesichert werden.
Es gibt keine Umsetzung dieser Richtlinie in Horst und anderen Lagern!

Dies veranlasste antirassistische Aktivist*innen im Frühjahr 2016 gegen die verantwortlichen Länder HH und M-V zu klagen.

Dabei wird das Ziel verfolgt, ein regelmäßiges Zutrittsrecht für unterstützende NGOs zu dem Lager in Horst und auch in Erstaufnahmeinrichtungen in HH und MV rechtlich zu garantieren.

Unterstützt wird die Klage von PRO ASYL.

Gegen diese Entwicklungen zu kämpfen wird durch zunehmende Repressionen immer schwieriger,deshalb wollen wir mit euch über die Forderungen der Menschen die derzeit in Horst sind sprechen und gemeinsame Strategien entwerfen um die Diffamierung und Entrechtung von geflüchteten Menschen zu stoppen und rassistischer Hetze den Nährboden zu entziehen.

Isolation durchbrechen!

Facebook-Veranstaltung

ENGLISH

Info Event: Friday 25.1.19
19:00 Food and Info
20:30 Pub
Schwarze Katze, Fettstraße 23

Our solidarity against their isolation.
For a society beyond exclusion & oppression.
Together against racist asylum policy!
We want to discuss the demands of people in Horst and develope strategies against isolation.

Horst in Mecklenburg-Vorpommern, 2019: EU rights for refugees are denied.

As a result of the pogrom in 1992 at Rostock-Lichtenhagen, the camp for refugees was moved from the urban area of ​​Rostock to Nostorf / Horst.
The everyday life in this former barracks means: isolation, exclusion and discrimination for the people. This is politically wanted and Horst is not the only place where racist structures are usual.

Break isolation!

André Léo, oder: Warum die Linke nicht mehr Das Kapital lesen sollte

Nach einer Einführung in André Léos Leben (1824 – 1900) und Denken wird über die Problematik gesprochen, warum Ideengeschichte sich stets auf die „großen Männer“ beschränkt (hat). Dass Frauen meist übersehen oder marginalisiert wurden, scheint dabei aber nur ein Teil eines größeren Problems zu sein. Überhaupt wird die ungeheure Vielfältigkeit von Debatten vergessen. Von daher stehen „André Léo“ und „Das Kapital“ symptomatisch für die Typen „vergessen“ vs. „kanonisiert“.
Über diesen Aspekt hinaus werden weitere Argumente zu diskutieren sein, warum die Linke wirklich nicht mehr Das Kapital lesen sollte.

Vortrag und Diskussion mit Antje Schrupp.

Der Vortrag findet als Nachtrag der Veranstaltungsreihe Anarcha-Syndikalismus statt, am 13. April musste der gleiche Vortrag leider ausfallen.

Kneipe und Essen: 19 Uhr
Vortrag: 20 Uhr