{"id":1842,"date":"2020-09-11T15:55:11","date_gmt":"2020-09-11T13:55:11","guid":{"rendered":"https:\/\/hamburg.fau.org\/?p=1842"},"modified":"2024-11-11T21:42:55","modified_gmt":"2024-11-11T20:42:55","slug":"ist-el-rojito-noch-zu-retten","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/hamburg.fau.org\/english\/2020\/09\/11\/ist-el-rojito-noch-zu-retten\/","title":{"rendered":"Ist &#8218;el rojito&#8216; noch zu retten?"},"content":{"rendered":"<p>&#8218;el rojito&#8216; ist ein Kaffee-Projekt der ersten Stunde. Es entstammt der Nicaragua-Bewegung der 1980er Jahre. Unter anderem unterst\u00fctzt von der damaligen DKP versuchten &#8218;Nicaragua-Initiativen&#8216; die Sandinistische Revolution durch Import und Vertrieb von Kaffee aus Nicaragua zu unterst\u00fctzen (viele kennen noch die &#8218;Sandino-Dr\u00f6hnung&#8216;). Mit dem &#8218;Nicaragua-Kaffee&#8216; wurde der solidarische Kaffee-Handel geboren, eine Idee, die sich inzwischen in viele Regionen der Kaffee-anbauenden Welt und auch auf andere Branchen ausgebreitet hat. &#8218;el rojito&#8216; z\u00e4hlt heute mit ca. 2 Millionen Euro Jahresumsatz und \u00fcber 20 Angestellten zu den ganz Gro\u00dfen des solidarischen Kaffeehandels in Deutschland.<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-gallery alignleft columns-1 is-cropped wp-block-gallery-1 is-layout-flex wp-block-gallery-is-layout-flex\"><ul class=\"blocks-gallery-grid\"><li class=\"blocks-gallery-item\"><figure><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"874\" height=\"649\" src=\"https:\/\/hamburg.fau.org\/wp-content\/uploads\/2020\/09\/el-ro-solirarisch-schwarz.jpg\" alt=\"\" data-id=\"1844\" data-full-url=\"https:\/\/hamburg.fau.org\/wp-content\/uploads\/2020\/09\/el-ro-solirarisch-schwarz.jpg\" data-link=\"https:\/\/hamburg.fau.org\/?attachment_id=1844\" class=\"wp-image-1844\" srcset=\"https:\/\/hamburg.fau.org\/wp-content\/uploads\/2020\/09\/el-ro-solirarisch-schwarz.jpg 874w, https:\/\/hamburg.fau.org\/wp-content\/uploads\/2020\/09\/el-ro-solirarisch-schwarz-300x223.jpg 300w, https:\/\/hamburg.fau.org\/wp-content\/uploads\/2020\/09\/el-ro-solirarisch-schwarz-150x111.jpg 150w, https:\/\/hamburg.fau.org\/wp-content\/uploads\/2020\/09\/el-ro-solirarisch-schwarz-768x570.jpg 768w\" sizes=\"auto, (max-width: 874px) 100vw, 874px\" \/><\/figure><\/li><\/ul><\/figure>\n\n\n\n<p>In der Au\u00dfendarstellung steht bei &#8218;el rojito&#8216; der Begriff der Solidarit\u00e4t ganz oben. Allerdings scheint es damit intern nicht so weit her zu sein.<\/p>\n\n\n\n<p>&#8218;el rojito&#8216; hatte seit 2015 bis Ende 2019 eine sogenannte &#8218;Kollektive Gesch\u00e4ftsf\u00fchrung&#8216;. Obwohl so etwas bestenfalls als Beginn einer kollektiven Binnenorganisation angesehen werden kann, f\u00fchlte man sich als Kollektivbetrieb und wurde auch so wahrgenommen. Mitglieder der &#8218;Kollektiven Gesch\u00e4ftsf\u00fchrung&#8216; waren auf Treffen der Hamburger Kollektivbetrieb-Szene vertreten und der Betrieb wurde z.B. auf &#8218;kollektivliste.org&#8216; als Kollektivbetrieb gef\u00fchrt. Seit Ende 2019 ist aber, wie Mitglieder der Belegschaft gegen\u00fcber der FAU Hamburg berichten, eine R\u00fcckentwicklung zu autorit\u00e4ren F\u00fchrungsstrukturen zu beobachten.<\/p>\n\n\n\n<!--more-->\n\n\n\n<p>Im September 2019 wurde eine \u00fcber mindestens 10 Jahre andauernde Unterschlagung und Vorteilsnahme durch ein Mitglied von Vorstand und Gesch\u00e4ftsf\u00fchrung mit einer Gesamtschadenssumme im oberen 5-stelligen Bereich aufgedeckt. Diese Aff\u00e4re wurde vom Rest-Vorstand erstaunlicherweise ziemlich schnell und ger\u00e4uschlos aus der Welt geschafft. Im Dezember 2019 wurde der &#8218;Kollektiven Gesch\u00e4ftsf\u00fchrung&#8216; dann ihre faktische Machtlosigkeit vorgef\u00fchrt, indem der Vorstand gegen das Votum der &#8218;Kollektiven Gesch\u00e4ftsf\u00fchrung&#8216; einen nahen Freund der Familie eines der alten Gesch\u00e4ftsf\u00fchrer als Buchhalter und neuen Gesch\u00e4ftsf\u00fchrer einstellte, obwohl eine qualifiziertere Bewerberin vorhanden war und die Entscheidung \u00fcber eine solche Einstellung im Befugnisbereich der &#8218;Kollektiven Gesch\u00e4ftsf\u00fchrung&#8216; lag.<\/p>\n\n\n\n<p>Dies f\u00fchrte zur faktischen Aufl\u00f6sung der &#8218;Kollektiven Gesch\u00e4ftsf\u00fchrung&#8216;. Gegner*innen des neuen Kurses verlie\u00dfen freiwillig das Projekt oder wurden gek\u00fcndigt. In diesem Zusammenhang sind \u00fcble Sachen passiert. So wurde einer Besch\u00e4ftigten w\u00e4hrend einer Krankschreibung gek\u00fcndigt. Im Zuge der darauf folgenden juristischen Auseinandersetzung wurde im Vorfeld eines Gerichtstermins eine Zeugenbeeinflussung versucht (Dokumente liegen der FAU vor). Eine andere Mitarbeiterin, die sich zu einer Corona-Risikogruppe z\u00e4hlt, wollte man zu einem neuen Arbeitsbereich mit intensivem Kundenkontakt zwingen, anderenfalls w\u00fcrden ihre Stunden und somit ihr Gehalt gek\u00fcrzt.<\/p>\n\n\n\n<p>Es wird von weiteren Willk\u00fcrentscheidungen, von Vorteilsnahme und G\u00fcnstlingswirtschaft der Gesch\u00e4ftsf\u00fchrung berichtet. Insbesondere ein bestimmter Gesch\u00e4ftsf\u00fchrer tue sich durch autorit\u00e4r-patriarchalischen F\u00fchrungsstil und explizite Intransparenz gegen\u00fcber den Besch\u00e4ftigten bei &#8218;el rojito&#8216; hervor. So etwas ist aus unserer Sicht keinesfalls hinnehmbar und muss zur sofortigen Entfernung der handelnden Personen aus jeder Einflussposition f\u00fchren.<\/p>\n\n\n\n<p>Dabei steht sogar in Frage, ob der Vorstand von &#8218;el rojito&#8216; \u00fcberhaupt durch eine ordnungsgem\u00e4\u00dfe Wahl legitimiert ist. Besch\u00e4ftigte von &#8218;el rojito&#8216;, die ebenfalls Mitglieder des Tr\u00e4gervereins sind oder waren, berichten, sie k\u00f6nnten sich nicht erinnern, dass jemals eine Mitgliederversammlung stattgefunden h\u00e4tte, welche ja den Vorstand w\u00e4hlen und auch regelm\u00e4\u00dfig neu w\u00e4hlen muss. Haben wir es hier wom\u00f6glich mit einer selbsternannten linken F\u00fchrungsclique zu tun, welche versucht, sich mit gut bezahlten Gesch\u00e4ftsf\u00fchrungsposten ihren Anteil am lukrativen Kaffee-Gesch\u00e4ft zu sichern?<\/p>\n\n\n\n<p>Jedenfalls entsteht der Eindruck, dass das Wort &#8218;Solidarit\u00e4t&#8216; bei &#8218;el rojito&#8216; lediglich die Fassade ziert, aber f\u00fcr die Binnenorganisation des Projekts keine Rolle spielt. Solidarit\u00e4t bedeutet gegenseitige Hilfe auf Augenh\u00f6he, und sie ist nicht nur im Verh\u00e4ltnis zu den Kaffeeb\u00e4uer*innen in den Ursprungsl\u00e4ndern gefragt, sondern auch bei uns, in unserem Verh\u00e4ltnis zueinander. Solidarit\u00e4t bedeutet die selbstbestimmte Kooperation Gleichgestellter und ist mit einer betrieblichen Binnenorganisation unvereinbar, in der wenige Vorstandsm\u00e4nner das Kommando \u00fcber viele lohnabh\u00e4ngig Besch\u00e4ftigte f\u00fchren.<\/p>\n\n\n\n<p>Von Seiten des &#8218;el rojito&#8216;-Vorstands wurde j\u00fcngst gegen\u00fcber Mitgliedern der FAU erkl\u00e4rt, dass man nicht vorhabe, zur &#8218;Kollektiven Gesch\u00e4ftsf\u00fchrung&#8216; zur\u00fcckzukehren oder sich anders oder \u00fcberhaupt in Richtung einer kollektiven Betriebsorganisation entwickeln zu wollen. Wenn das stimmt, sind bei &#8218;el rojito&#8216; die falschen Leute am Ruder. Auf diesem Kurs wird &#8218;el rojito&#8216; sehr schnell zu einer kapitalistischen Kaffeefirma mit einer tr\u00fcgerischen linken Fassade verkommen (wenn das nicht bereits der Fall ist).<\/p>\n\n\n\n<p>Und was kann man tun? Nur die Belegschaft von &#8218;el rojito&#8216; kann daran etwas \u00e4ndern. Wenn sie entschlossen ist, geht das sogar relativ leicht, und sie kann mit breiter Unterst\u00fctzung aus der Szene rechnen, nicht nur von Seiten der FAU. Wenn nicht, werden die Kund*innen entscheiden. Immerhin gibt es, wie man h\u00f6rt, inzwischen einen Betriebsrat. Wir werden sehen, wie es weiter geht. Ihr seid gefordert. Holt euch euer Projekt zur\u00fcck!<\/p>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>&#8218;el rojito&#8216; ist ein Kaffee-Projekt der ersten Stunde. Es entstammt der Nicaragua-Bewegung der 1980er Jahre. Unter anderem unterst\u00fctzt von der damaligen DKP versuchten &#8218;Nicaragua-Initiativen&#8216; die Sandinistische Revolution durch Import und Vertrieb von Kaffee aus Nicaragua zu unterst\u00fctzen (viele kennen noch die &#8218;Sandino-Dr\u00f6hnung&#8216;). Mit dem &#8218;Nicaragua-Kaffee&#8216; wurde der solidarische Kaffee-Handel geboren,&#8230; <a class=\"continue-reading-link\" href=\"https:\/\/hamburg.fau.org\/english\/2020\/09\/11\/ist-el-rojito-noch-zu-retten\/\">Weiterlesen<\/a><\/p>","protected":false},"author":7,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[1,93,140],"tags":[],"class_list":["post-1842","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-allgemein","category-gewerkschaftliche-beratung","category-internationales"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/hamburg.fau.org\/english\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/1842","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/hamburg.fau.org\/english\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/hamburg.fau.org\/english\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/hamburg.fau.org\/english\/wp-json\/wp\/v2\/users\/7"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/hamburg.fau.org\/english\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=1842"}],"version-history":[{"count":5,"href":"https:\/\/hamburg.fau.org\/english\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/1842\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":1850,"href":"https:\/\/hamburg.fau.org\/english\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/1842\/revisions\/1850"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/hamburg.fau.org\/english\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=1842"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/hamburg.fau.org\/english\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=1842"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/hamburg.fau.org\/english\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=1842"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}