{"id":1790,"date":"2020-05-12T10:31:19","date_gmt":"2020-05-12T08:31:19","guid":{"rendered":"https:\/\/hamburg.fau.org\/?p=1790"},"modified":"2023-09-12T12:04:28","modified_gmt":"2023-09-12T10:04:28","slug":"krank-ist-das-system-doch-pflegen-werden-wir-es-nicht","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/hamburg.fau.org\/english\/2020\/05\/12\/krank-ist-das-system-doch-pflegen-werden-wir-es-nicht\/","title":{"rendered":"Krank ist das System &#8211; doch pflegen werden wir es nicht!"},"content":{"rendered":"<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"wp-image-1791 aligncenter\" src=\"https:\/\/hamburg.fau.org\/wp-content\/uploads\/2020\/05\/Pflege-Kollektivieren-300x201.jpg\" alt=\"\" width=\"376\" height=\"252\" srcset=\"https:\/\/hamburg.fau.org\/wp-content\/uploads\/2020\/05\/Pflege-Kollektivieren-300x201.jpg 300w, https:\/\/hamburg.fau.org\/wp-content\/uploads\/2020\/05\/Pflege-Kollektivieren-1024x685.jpg 1024w, https:\/\/hamburg.fau.org\/wp-content\/uploads\/2020\/05\/Pflege-Kollektivieren-150x100.jpg 150w, https:\/\/hamburg.fau.org\/wp-content\/uploads\/2020\/05\/Pflege-Kollektivieren-768x514.jpg 768w, https:\/\/hamburg.fau.org\/wp-content\/uploads\/2020\/05\/Pflege-Kollektivieren-1536x1028.jpg 1536w, https:\/\/hamburg.fau.org\/wp-content\/uploads\/2020\/05\/Pflege-Kollektivieren.jpg 1920w\" sizes=\"auto, (max-width: 376px) 100vw, 376px\" \/>Wie jedes Jahr, so auch anscheinend weitgehend dem \u00f6ffentlichen Bewusstsein entr\u00fcckt, der 12. Mai der Tag der Pflege. Dabei wird auch an Florence Nightingale (12.05.1820 &#8211; 13.08.1910) erinnert, die als eine der Begr\u00fcnder\/*_Innen der modernen westlichen Krankenpflege einflussreiche Reformerin des Sanit\u00e4tswesens und der Gesundheitsf\u00fcrsorge Gro\u00dfbritannien und Verfasserin der Gr\u00fcndungsschriften der Pflegetheorie und gilt. Ihrer Ansicht nach war und ist die Pflegewissenschaft als eigenst\u00e4ndige Disziplin von ebenso gro\u00dfer Bedeutung wie die Medizin. Hiervon ist heute wenig zu sp\u00fcren.<\/p>\n<p><!--more--><\/p>\n<p>Seit Jahren arbeiten Menschen in der Alten- und Krankenpflege und in artverwandten Berufen, wie etwa Heilerzieher\/*_Innen unter teils schwierigen bis desastr\u00f6sen Bedingungen. Schichtdienst und Einzeldienste, Personalmangel und die Erwartung jederzeit einsatzbereit zu sein sind nur die sichtbaren Auswirkungen. Hinzu kommen als quasi berufsbedingte Begleiterscheinung h\u00e4ufig Ersch\u00f6pfungszust\u00e4nde bis zum Burn-Out, Stresszust\u00e4nde und bedingt durch den Schichtdienst oftmals auch Vereinzelung und Einsamkeit.<br \/>\nDie Leistung, die in diesen Berufen wird teilweise bel\u00e4chelt, da die oftmals von der Politik vertretenden Meinung diejenige ist, dass die entsprechende Arbeit von fast jedem nach einer kurzen Anlernphase erbracht werden kann. Beispielhaft hierf\u00fcr w\u00e4ren FSJler\/*_Innen, BFDler\/*_Innen, Praktikant\/*_Innen und in der Folge auch von ungelernten Assistenzkr\u00e4ften.<br \/>\nEntsprechend niedrig ist dementsprechend auch die Entlohnung, wie dies so h\u00e4ufig in sog. &#8222;typischen Frauenberufen&#8220; der Fall ist. Berufliche und private Care-Arbeit verbinden sich hier oftmals zu einer doppelten Belastung, Anerkennung und Bezahlung im Grunde gleich null. Produziert wird in diesem Sektor unter kapitalistisch verwertbarem Aspekt ja auch unmittelbar nichts.<br \/>\nHinzu kommt eine ausgesprochen niedrige Tarifbindung in diesen Berufsgruppen. Gepr\u00e4gt von einem \u00fcberwiegend eher karitativen Berufsethos, mangelnder gesellschaftlicher Anerkennung und aber auch der eingeschr\u00e4nkten M\u00f6glichkeiten f\u00fcr bessere Bezahlung k\u00e4mpfen oder gar streiken zu k\u00f6nnen (im Falle eines Streikes muss die Versorgung des Klientel weiterhin aufrechterhalten werden)oder auch das Solidarit\u00e4tsempfinden in diesen Berufsgruppen nicht ausreichend ist.<\/p>\n<p>Nun stellt die Corona-Krise die Welt ein St\u00fcck weit auf den Kopf.<br \/>\nPl\u00f6tzlich gelten Pflegekr\u00e4fte und Supermarktangestellte exemplarisch als systemrelevant und Held\/*_Innen der Krise, als diejenigen, die die Gesellschaft unter anderem mit aufrechterhalten. Sie werden \u00fcberh\u00e4uft mit Balkon-Applaus, kitschigen warmen Worten und billiger Schokolade. Die Arbeitsbedingungen aber sind noch immer die gleichen, bzw. haben sich vor dem Hintergrund der aktuellen Situation noch erschwert. Die schlechte Bezahlung und die mangelnde Tarifbindung, die kapitalistische Ausbeutung des Gesundheitssystems sind weiter existent. Selbst Bundesarbeitsminister Heil erkennt pl\u00f6tzlich, wie schlecht die Bezahlung in diesem beruflichen Sektor \u00fcblicherweise ist. (<a href=\"https:\/\/l.facebook.com\/l.php?u=https%3A%2F%2Fweb.archive.org%2Fweb%2F20200407205037%2Fhttps%3A%2F%2Fwww.tagesschau.de%2Finland%2Fheil-lohn-pflegeberufe-101.html&amp;h=AT3uFOOLXmfczk1o6k9K0fCrZM0LpDyniya3137beOL1q6JcF4INNSb6k44PLJw5qblrsUI_jYFyn-e9nddFrqEt1SPr2YnAVkSoi_00ZcdzLd5AO4EMTuXTeQ_w12lt3td0Hr9VPo89EAPW9e-4-PBNIohqmOJBoLlA79cm93_60TkpcJaQLTJbQebxXfmq1se-tVgkIe3pO4RKsFt9PTG0meuviq7vsOi0Avi5vPj0AhZKyo8Li80QR12r4bG_St7BDxwKlgBWx5U1kwFAWQLuYo2XJ7fyAw-UofdTnBaKOnbNv2beFoJzWAyVKq2OVZZ6Bi38mNHbikbPtoQZ51mvsKLStCVKKpjITFte37LW2eEdGlvMydZS3Mvby1vD4qvs2dzRVbF9r_EXNIox-vpuns-id79H4mfjWQczNEuKRmFn5lEEm3mHFRIegrQy4TC1jPJfd-yxRMUp-X0E469sX5E2wIx6Y5cb4Lli0Hmi4HI8UA_IpoWXXwvtdEfPMpYvhxYnN0HtjlGCcxO_gS_CcNZykW9taLAxG-XfBujlOGTrclXaFxNFHfpvgDX4P4Uqe8lHgEaHzD77vpNO4mn5vpp30edD2nLIK5PT80g0VVd7dCbE9dcctFJqm0aVHEpPvIQQj8SDvPdrRt3e\" target=\"_blank\" rel=\"noopener nofollow noreferrer\" data-ft=\"{&quot;tn&quot;:&quot;-U&quot;}\" data-lynx-mode=\"async\">https:\/\/web.archive.org\/\u2026\/i\u2026\/heil-lohn-pflegeberufe-101.html<\/a>, zuletzt eingesehen am 05.05.2020).<br \/>\nDennoch werden die Umst\u00e4nde, die zu dieser Situation f\u00fchren mit keinem Wort in Frage gestellt. Statt dessen wird am System herum gedoktert und kritische Zust\u00e4nde sch\u00f6n geredet oder durch massive Unterschreitung von Personaluntergrenzen in Krankenh\u00e4usern kaschiert, Personalengp\u00e4sse in Pflegeeinrichtungen durch panikartige befristete Einstellung von ungelernten Assistenzkr\u00e4ften und Aushilfen vertuscht. Auch, wenn COVID-19 dereinst bew\u00e4ltigt sein mag &#8211; werden sich im Nachgang sicherlich keine Verbesserungen einstellen, im Gegenteil alles deutet auf die Aufrechterhaltung des kapitalistischen Gesundheitssystems hin. Dieses wird genauso exklusiv bleiben, wie jetzt auch werden Menschen am Rande der Gesellschaft weiterhin in Teilen oder g\u00e4nzlich ausgeschlossen bleiben.<\/p>\n<p>Pflege und Gesundheit geh\u00f6ren nicht in die H\u00e4nde privater kapitalistischer Unternehmen.!<br \/>\nWir fordern daher: eine Kollektivierung der Pflegeeinrichtungen und Krankenh\u00e4user mit ausreichendem Urlaubsanspruch und einem Grundgehalt, das \u20ac20,&#8211; die Stunde f\u00fcr das Pflegepersonal erreicht, sowie einen Fl\u00e4chentarif f\u00fcr die Pflegeberufe. Steuerfreie Gefahren- und Schichtzulagen, ein Ende der Unterschreitung von Personal-Untergrenzen und in Krankenh\u00e4usern und Pflegeeinrichtungen, bzw. eine ad\u00e4quate Personaldecke. Zugang zum Gesundheits- und Pflegesystem f\u00fcr alle!<\/p>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Wie jedes Jahr, so auch anscheinend weitgehend dem \u00f6ffentlichen Bewusstsein entr\u00fcckt, der 12. Mai der Tag der Pflege. 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