{"id":602,"date":"2017-12-19T18:19:02","date_gmt":"2017-12-19T17:19:02","guid":{"rendered":"https:\/\/hamburg.fau.org\/?p=602"},"modified":"2023-09-12T12:07:42","modified_gmt":"2023-09-12T10:07:42","slug":"container-machen-kopf-kaputt-oder-wie-unertraegliche-bedingungen-in-der-unterbringung-zu-unertraeglichen-arbeitsbedingungen-fuehren","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/hamburg.fau.org\/deutsch\/2017\/12\/19\/container-machen-kopf-kaputt-oder-wie-unertraegliche-bedingungen-in-der-unterbringung-zu-unertraeglichen-arbeitsbedingungen-fuehren\/","title":{"rendered":"&#8222;Container machen Kopf kaputt&#8220;&#8230; oder: wie unertr\u00e4gliche Bedingungen in der Unterbringung zu unertr\u00e4glichen Arbeitsbedingungen f\u00fchren!"},"content":{"rendered":"<p>Unter den Besch\u00e4ftigten des st\u00e4dtischen Unternehmens F\u00f6rdern &amp; Wohnen A\u00f6R (u.a. Betreiberin der Erstaufnahmestellen und Folgeunterk\u00fcnfte f\u00fcr Asylsuchende in Hamburg) rumort es. Sie wenden sich gegen die zunehmende Verschlechterung der Lebensbedingungen der Bewohner_innen und damit auch der eigenen Arbeitsbedingungen. Wir unterst\u00fctzen diese Entwicklung und dokumentieren darum hier den folgenden Text zur Situation bei F\u00f6rdern &amp; Wohnen A\u00f6R. <!--more--><\/p>\n<p>****************************<br \/>\n<a href=\"https:\/\/hamburg.fau.org\/wp-content\/uploads\/2017\/12\/Flyer-fw.pdf\">als pdf<\/a><\/p>\n<p><strong>&#8222;Container machen Kopf kaputt&#8220;&#8230;<br \/>\noder: wie unertr\u00e4gliche Bedingungen in<br \/>\nder Unterbringung zu unertr\u00e4glichen<br \/>\nArbeitsbedingungen f\u00fchren!<\/strong><\/p>\n<p>Wir \u2013 UKM, SM, UKSM und TDs verschiedener Bezirke und Gesch\u00e4ftsbereiche \u2013 beobachten eine zunehmende Verzweiflung von Bewohner_innen einerseits, und als eine Folge daraus u.a. steigende psychosoziale Belastungen der Mitarbeiter_innen andererseits. Wir stellen fest, dass das Gef\u00fcge von Klient_innen und Hauptamtlichen in den Unterk\u00fcnften von einer starken Wechselwirkung gepr\u00e4gt ist. Diese Wechselwirkung kann auf die einfache Formel gebracht werden: prek\u00e4re Bedingungen der Unterbringung = unertr\u00e4gliche Arbeitsbedingungen.<br \/>\nSolange beh\u00f6rdliche Vorgaben, die negative Konsequenzen auf die psychische Gesundheit der Bewohner_innen haben akzeptiert und wider besseren Wissens umgesetzt werden, wird diese Wechselwirkung nicht aufzul\u00f6sen sein.<\/p>\n<p>In den aktuellen Debatten um Radikalisierung, psychische Erkrankungen oder die Umsetzung des Schutzkonzeptes besonders sch\u00fctzenswerter Gruppen bei Gefl\u00fcchteten und Obdachlosen werden zu Recht pr\u00e4ventive Ma\u00dfnahmen und qualifizierte Unterst\u00fctzung Betroffener gefordert. Diese Forderungen richten sich auch an f&amp;w bzw. uns Besch\u00e4ftigte vor Ort. Das ohnehin schon extrem breite Anforderungsprofil insbesondere der UKSM-Kr\u00e4fte wird hier allerdings ein weiteres Mal in unverantwortbarem Ma\u00dfe \u00fcberstrapaziert.<br \/>\nWenn das Unternehmensmotto (&#8222;alle mitnehmen \u2013 keinen vergessen&#8220; und &#8222;Arbeit gesund gestalten&#8220;) nicht zur Phrase verkommen und auch in der t\u00e4glichen Arbeit Anwendung finden soll, muss der Personalschl\u00fcssel drastisch erh\u00f6ht und dem kontinuierlich steigenden Anforderungsprofil durch eine andere Personalpolitik (Personalausstattung sowie Personalentwicklung) begegnet werden. Bei dem aktuellen Personalschl\u00fcssel (1:80 bzw.1:65 bzw. 1:160) k\u00f6nnen die Mitarbeiter_innen diesen Anforderungen nicht gerecht werden.<\/p>\n<p><strong>\u2192 Wir brauchen eine sp\u00fcrbare Erh\u00f6hung des Personalschl\u00fcssels!<\/strong><\/p>\n<p>Diese Debatten machen au\u00dferdem wieder einmal deutlich, in welch widerspr\u00fcchlichem Spannungsfeld sich unsere Arbeit bewegt: die geforderte Qualifizierung der Stellenbesetzung (\u201eSozialp\u00e4dagog_innen oder vergleichbare Qualifikation\u201c), kontinuierlich steigende Anforderungen aus Gesellschaft, Politik und Management (Integrationsleistung, sozialer Frieden etc.), sowie unsere Arbeitsrealit\u00e4t, wie sie de facto ist, stehen im krassen Widerspruch zu dem geltenden Personalschl\u00fcssel und dem Konzept der Verweisberatung und des Sozial<strong>managements<\/strong>. Wer versucht, die Anforderungen zu erf\u00fcllen, wird daran scheitern und ist aufgrund dieses Dilemmas enormem psychosozialem Stress ausgesetzt. Dieser Spagat ist nicht nur zerm\u00fcrbend (f\u00fchrt zu Unklarheiten, Unsicherheiten, Stress etc.), er ist auch unprofessionell (f\u00fchrt zu Rollenkonflikten etc.).<br \/>\nAuch Fortbildungen, Gesundheitszirkel, Supervision und weitere Angebote, die wir sehr begr\u00fc\u00dfen und sch\u00e4tzen, k\u00f6nnen diese strukturellen Missst\u00e4nde nicht aufl\u00f6sen.<br \/>\nEine aktualisierte Stellenbeschreibung f\u00fcr die Bereiche UKSM und UKM werden seit Jahren gefordert und stehen weiterhin aus.<\/p>\n<p><strong>\u2192 Wir fordern eine eindeutige Stellenbeschreibung!<\/strong><\/p>\n<p>Aller Management-Rhetorik zum Trotz ist das, was wir t\u00e4glich tun, soziale Arbeit. Der Begriff des Sozial<strong>managements<\/strong> f\u00fchrt in die Irre. Wenn wir in Konflikten vermitteln, den<br \/>\nSozialpsychiatrischen Dienst einschalten oder die sozialr\u00e4umliche Anbindung im neuen Wohnumfeld ansto\u00dfen und begleiten, machen wir soziale Arbeit!<br \/>\nSomit sind wir auch an Standards sozialer Arbeit gebunden. Unsere Arbeitsbedingungen stehen aber oft im Widerspruch zu diesen.<\/p>\n<p><strong>\u2192 Wir fordern die Einhaltung von Standards sozialer Arbeit!<\/strong><br \/>\n[vgl. <a href=\"http:\/\/www.fluechtlingssozialarbeit.de\/index.php\">http:\/\/www.fluechtlingssozialarbeit.de\/index.php<\/a>]<\/p>\n<p>In den aktuellen Diskussionen scheint auch durch: die h\u00f6chste Pr\u00e4misse hei\u00dft Skandale verhindern \u2013 aber das bitte billig!<br \/>\nWir sind nicht mehr bereit, dies auf Kosten der Gesundheit von uns Mitarbeiter_innen zu leisten und k\u00f6nnen das Leid und die Perspektivlosigkeit der Bewohner_innen nicht l\u00e4nger kommentarlos hinnehmen!<\/p>\n<p>Von einem \u201ePersonal\u00fcberhang\u201c zu reden ist eine rein betriebswirtschaftliche Analyse. Mit Blick auf unseren Arbeitsalltag erscheint dieser Begriff zynisch, ja fast beleidigend. Nach 2 Jahren im absoluten Notstands- und Krisenmanagement g\u00e4be es jetzt die M\u00f6glichkeit einer relativen Normalisierung. Die momentane Situation bietet die Chance, endlich die Qualit\u00e4t unserer Arbeit zu verbessern und somit auch die Lebensbedingungen in den Unterk\u00fcnften ertr\u00e4glicher zu machen.<\/p>\n<p><strong>\u2192 Wir brauchen Unterbringungs- und Arbeitsverh\u00e4ltnisse, die nicht krank<br \/>\nmachen!<br \/>\n\u2192 Wir fordern eine selbstbewusste Orientierung am Leitbild von f\u00f6rdern und<br \/>\nwohnen &#8211; auch und gerade bei der Umsetzung beh\u00f6rdlicher Auftr\u00e4ge!<\/strong><\/p>\n<p><strong>Noch ein paar Worte zur Situation in den Erstaufnahmen:<\/strong><br \/>\nBesonders deutlich wird die Verquickung von Unterbringungsbedingungen und Arbeitsbelastung bei den sich immer weiter versch\u00e4rfenden Verlegungskriterien in den EAs und dem enormen Belegungsdruck in den WUKs.<br \/>\nMit der politisch vorangetriebenen Schlie\u00dfung von EAs kommt es zu einer Verdichtung in den verbleibenden Einrichtungen. Wieder sind es wir, die Besch\u00e4ftigten vor Ort, von denen verlangt wird, die h\u00f6here Belegungsdichte durchzusetzen, obwohl sie eindeutig im Widerspruch zu dem f&amp;w-Leitbild steht und f\u00fcr uns Mitarbeiter_innen und die Bewohner_innen eine erhebliche Belastung darstellt. Belegungsvorgaben von 3-4 Personen auf 11m2, wie sie in den Erstaufnahmen aktuell umgesetzt werden, sind nicht hinnehmbar!<br \/>\nViele, der von der Verdichtung betroffenen Personen, sind sogenannte &#8222;\u00dcberresidente&#8220;. Sie befinden sich bereits viel zu lange in der Erstaufnahme. Es ist nicht haltbar, sie von EA zu EA zu schieben und die Situation, die sich stellenweise entspannt hatte, erneut zu versch\u00e4rfen.<br \/>\nDie in diesem Jahr vom ZKF eingef\u00fchrten Transferkriterien in WUKs tun Ihr \u00dcbriges. Die hohe Belegungsdichte verhindert gesellschaftliche Teilhabe! Die Absprache eines Rechts auf Privatsph\u00e4re wirkt sich negativ auf die pers\u00f6nliche Lebensplanung sowie die psychische Gesundheit der Bewohner_innen aus, ganz davon abgesehen, dass die extrem beengte Situation zu erheblichen Konflikten f\u00fchrt und den sozialen Frieden gef\u00e4hrdet.<\/p>\n<p>Es ist h\u00f6chst frustrierend, wenn unsere Arbeit darin besteht, Konflikte und Probleme zu beheben, die durch beh\u00f6rdliche Vorgaben verursacht werden. Diese Probleme sind &#8222;hausgemacht&#8220; &#8211; wir federn diese ab.<\/p>\n<p><strong>\u2192 Wir fordern die Anerkennung des Menschenrechts auf Privatsph\u00e4re!<br \/>\n\u2192 Wir brauchen Einzelzimmer f\u00fcr alle Alleinstehenden!<\/strong><\/p>\n<p>Um die Arbeitsbedingungen der Besch\u00e4ftigten zu verbessern, m\u00fcssen die Lebensbedingungen der Bewohner_innen verbessert werden.<br \/>\nDies ist im Interesse aller!<br \/>\nSchlie\u00dflich werden in den EAs und WUKs die Weichen f\u00fcr das gesellschaftliche<br \/>\nZusammenleben von morgen gestellt.<\/p>\n<p><em>ver.di Betriebsgruppe bei f\u00f6rdern &amp; wohnen<\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Unter den Besch\u00e4ftigten des st\u00e4dtischen Unternehmens F\u00f6rdern &amp; Wohnen A\u00f6R (u.a. Betreiberin der Erstaufnahmestellen und Folgeunterk\u00fcnfte f\u00fcr Asylsuchende in Hamburg) rumort es. Sie wenden sich gegen die zunehmende Verschlechterung der Lebensbedingungen der Bewohner_innen und damit auch der eigenen Arbeitsbedingungen. Wir unterst\u00fctzen diese Entwicklung und dokumentieren darum hier den folgenden Text&#8230; <a class=\"continue-reading-link\" href=\"https:\/\/hamburg.fau.org\/deutsch\/2017\/12\/19\/container-machen-kopf-kaputt-oder-wie-unertraegliche-bedingungen-in-der-unterbringung-zu-unertraeglichen-arbeitsbedingungen-fuehren\/\">Weiterlesen<\/a><\/p>\n","protected":false},"author":5,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[1],"tags":[],"class_list":["post-602","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-allgemein"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/hamburg.fau.org\/deutsch\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/602","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/hamburg.fau.org\/deutsch\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/hamburg.fau.org\/deutsch\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/hamburg.fau.org\/deutsch\/wp-json\/wp\/v2\/users\/5"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/hamburg.fau.org\/deutsch\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=602"}],"version-history":[{"count":4,"href":"https:\/\/hamburg.fau.org\/deutsch\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/602\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":608,"href":"https:\/\/hamburg.fau.org\/deutsch\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/602\/revisions\/608"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/hamburg.fau.org\/deutsch\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=602"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/hamburg.fau.org\/deutsch\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=602"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/hamburg.fau.org\/deutsch\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=602"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}