{"id":211,"date":"2016-03-01T00:08:24","date_gmt":"2016-02-29T23:08:24","guid":{"rendered":"https:\/\/hamburg.fau.org\/?page_id=211"},"modified":"2025-07-27T20:00:34","modified_gmt":"2025-07-27T18:00:34","slug":"prinzipien-und-grundlagen","status":"publish","type":"page","link":"https:\/\/hamburg.fau.org\/deutsch\/fau-hh\/prinzipien-und-grundlagen\/","title":{"rendered":"Prinzipien und Grundlagen"},"content":{"rendered":"<p>Die Prinzipien und Grundlagen unserer bundesweiten Gewerkschaftsf\u00f6deration:<\/p>\n<h1>Prinzipien und Grundlagen der Arbeit der Freien Arbeiterinnen- und Arbeiter-Union (FAU)<\/h1>\n<h2>1. Grunds\u00e4tze und Ziele<\/h2>\n<p>1.1. Die Freie Arbeiterinnen und Arbeiter Union (FAU) ist eine Gewerkschaftsf\u00f6deration. Die Mitglieder der FAU setzen sich gemeinsam f\u00fcr die Verbesserung ihrer Arbeits- und Lebensbedingungen ein. Dies geschieht insbesondere durch Arbeitsk\u00e4mpfe und Betriebsarbeit sowie durch Kultur- und Bildungsarbeit, Solidarit\u00e4t und gegenseitige Hilfe im Alltag. Die FAU beteiligt sich an B\u00fcndnissen und sozialen Bewegungen, die \u00e4hnliche Ziele verfolgen.<\/p>\n<p>1.2. Die FAU besteht aus unabh\u00e4ngigen lokalen Gewerkschaften (Syndikaten) und deren \u00f6rtlichen sowie regionalen Zusammenschl\u00fcssen. Alle wesentlichen Entscheidungen werden in Vollversammlungen und auf Delegiertentreffen getroffen. Funktionstr\u00e4gerInnen und Delegierte sind weisungsgebunden und lediglich ausf\u00fchrende Organe. Die FAU ist weltweit mit anderen k\u00e4mpferischen Gewerkschaften vernetzt.<\/p>\n<p>1.3. Wir streben die \u00dcberwindung des Kapitalismus an. Der Kapitalismus beruht auf der Ausbeutung der Arbeitenden durch diejenigen, die \u00fcber die Produktionsmittel verf\u00fcgen. Sie l\u00e4sst sich niemals vollst\u00e4ndig durch Reformen des kapitalistischen Regelwerks \u00fcberwinden, sondern nur durch die Einf\u00fchrung einer grunds\u00e4tzlich anderen, auf Solidarit\u00e4t und Selbstverwaltung basierenden Wirtschaftsordnung.<\/p>\n<p>1.4 Wir beziehen uns auf die Ideen des Anarchosyndikalismus. Der anarchosyndikalistische Fl\u00fcgel der Gewerkschaftsbewegung k\u00e4mpft seit seiner Entstehung Anfang des 20. Jahrhunderts f\u00fcr die Emanzipation der ArbeiterInnen, gegen Krieg und Nationalismus, f\u00fcr die Gleichberechtigung der Geschlechter und gegen religi\u00f6se Dogmen. Heute gilt es, Theorie und Praxis des Anarchosyndikalismus in Deutschland und der Welt wieder bekannt zu machen, sie weiterzuentwickeln und zu st\u00e4rken.<\/p>\n<h2>2. Gewerkschaftsverst\u00e4ndnis<\/h2>\n<p>2.1. Gewerkschaften sind Organisationen der ArbeiterInnen. ArbeiterInnen sind alle Lohnabh\u00e4ngigen. Solche, die ihren Lebensunterhalt durch eigene Arbeit bestreiten m\u00fcssen, egal ob ArbeiterInnen oder Angestellte genannt, sowie Selbst\u00e4ndige ohne Angestellte. Aber auch indirekt Lohnabh\u00e4ngige, die von der Lohnarbeit anderer abh\u00e4ngig sind, geh\u00f6ren hierzu: RentnerInnen, Arbeitslose, Kinder, unbezahlte Arbeit Verrichtende sowie Sch\u00fclerInnen und Studierende. Als lohnabh\u00e4ngige Menschen m\u00fcssen wir uns auf einem Arbeitsmarkt verkaufen, der uns ausbeuterische Arbeitsbedingungen aufzwingt. Als anarchosyndikalistische Gewerkschaft sind wir nicht dem Interesse einer Nation oder eines Staates verpflichtet, sondern dem gemeinsamen Interesse der ArbeiterInnen weltweit, sich von \u00f6konomischer Ausbeutung und sozialer Unterdr\u00fcckung zu befreien.<\/p>\n<p>2.2. Der Zweck unserer Arbeit ist die Verbesserung unserer Lebensbedingungen. Unsere Aktivit\u00e4ten sind auf unmittelbare, konkrete Ergebnisse gerichtet. Daraus resultieren fortw\u00e4hrende Erkenntnis und Lernprozesse \u00fcber eigene St\u00e4rken sowie die M\u00f6glichkeiten ihrer Anwendung unter den gegebenen gesellschaftlichen Bedingungen.<\/p>\n<p>2.3. Die Ziele unserer Arbeitsk\u00e4mpfe wollen wir auf m\u00f6glichst direktem Weg erreichen. Die idealtypischen Mittel des Arbeitskampfes sind alle, die unmittelbaren Druck auf unsere Gegner aus\u00fcben. Die konkrete Form der angewandten Aktion wird von den k\u00e4mpfenden Besch\u00e4ftigten selbst gew\u00e4hlt und f\u00fcr jede Auseinandersetzung immer wieder neu entschieden.<\/p>\n<p>2.4. Als Arbeitende verf\u00fcgen wir \u00fcber die uns eigene Macht, den reibungslosen Ablauf der Lohnarbeit zu unterbrechen oder zumindest damit zu drohen, um konkrete Forderungen durchzusetzen. Diese F\u00e4higkeiten werden in Arbeitsk\u00e4mpfen durch kollektives, organisiertes Handeln greifbar und wirksam. Konkrete Erfahrungen kollektiver Macht sind eine wichtige Erfahrung, ohne die eine k\u00e4mpferische Gewerkschaftsbewegung nicht bestehen kann.<\/p>\n<p>2.5. Die Erkenntnisse aus diesen Erfahrungen weiterzugeben ist ein wesentliches Ziel anarchosyndikalistischer Bildungs- und Kulturarbeit. Diese soll sich zugleich gegen jegliche Form von gesellschaftlicher Diskriminierung wenden. Homophobie und Sexismus, Rassismus und Antisemitismus, Nationalismus und soziale Stigmatisierung geh\u00f6ren genauso wie die kapitalistische Ausbeutung zu einem Geflecht vielf\u00e4ltiger Herrschaftsbeziehungen, die Teil unseres Lebens sind. Sie kommen auch innerhalb der Gewerkschaftsbewegung und anderen, sich emanzipatorisch verstehenden Bewegungen vor. Uns von derartigen Herrschaftsstrukturen zu befreien ist eine Aufgabe, die bereits bei uns selbst und in unserem direkten Umfeld beginnt.<\/p>\n<p>2.6. Solidarit\u00e4t ist eine Waffe! Unsere Solidarit\u00e4tsarbeit ist von gegenseitiger Hilfe gepr\u00e4gt. Unsere Solidarit\u00e4t gilt den K\u00e4mpfen der uns weltweit verbundenen Gewerkschaften. Unterst\u00fctzung erhalten auch die Arbeitsk\u00e4mpfe vor Ort, in denen ein konstruktives Miteinander mit k\u00e4mpferischen KollegInnen m\u00f6glich ist, \u00fcber Organisationsgrenzen hinweg. Wir f\u00f6rdern uns nahe stehende Jugendgruppen und Initiativen. Wir suchen den Austausch mit anderen emanzipatorischen und basisdemokratisch orientierten Gruppen und Menschen.<\/p>\n<h2>3. Kritik der bestehenden Verh\u00e4ltnisse<\/h2>\n<p>3.1. Wir sehen im Kapitalismus als weltweit dominierender Wirtschaftsordnung ein zentrales Hindernis f\u00fcr gesellschaftliche Emanzipation und individuelle Selbstbestimmung. Der Kapitalismus ist ein System der Ausbeutung des Menschen durch den Menschen. Er erzeugt unausweichlich einen Klassengegensatz zwischen jenen, die keine andere Wahl haben, als ihre Arbeitskraft zu verkaufen, und jenen, die Verf\u00fcgungsgewalt \u00fcber die Produktionsmittel und damit die von uns erarbeiteten Profite besitzen. Zugleich unterliegt der Kapitalismus durch die Konkurrenz um M\u00e4rkte und Profite einem Wachstumszwang, der alle Lebensbereiche dem kapitalistischen Gesetz unterwirft und nat\u00fcrliche Ressourcen \u00fcber das \u00f6kologisch ertr\u00e4gliche Ma\u00df hinaus ausbeutet. Kapitalismus ist kein Naturgesetz, sondern lediglich ein von Menschen geschaffenes Verh\u00e4ltnis, das durch kollektives Handeln der Arbeitenden aufgehoben werden kann.<\/p>\n<p>3.2. Der b\u00fcrgerliche Staat garantiert und sch\u00fctzt das private Eigentum als Grundlage einer kapitalistischen Ordnung. Sozialstaatliche Strukturen geben vor, einen Ausgleich zwischen gegens\u00e4tzlichen \u00f6konomischen Interessen herzustellen. Als Nationalstaat konstruiert er ein gemeinsames Interesse seiner B\u00fcrgerinnen und B\u00fcrger gegen ein konkurrierendes Au\u00dfen anderer Nationalstaaten und einen Sachzwang, dem sich die B\u00fcrgerinnen und B\u00fcrger unterzuordnen haben.<\/p>\n<p>3.3. Die FAU steht keiner politischen Partei nahe und bet\u00e4tigt sich nicht parlamentarisch. Im Parlamentarismus ist es lediglich m\u00f6glich, VertreterInnen zu w\u00e4hlen, nicht aber deren Handeln zu bestimmen. Die sogenannten VolksvertreterInnen sind eingebunden in ein Geflecht von \u00f6konomisch m\u00e4chtigen Interessengruppen sowie die hierarchischen Strukturen ihrer Parteien. Sachzw\u00e4ngen der kapitalistischen Wirtschaft und ihrem eigenen, mit zunehmender Macht wachsenden Herrschaftswillen werden sie kaum zuwider handeln.<\/p>\n<p>3.4. Gewerkschaften werden in der Bundesrepublik Deutschland durch die Gesetzgebung als moderierende Ordnungsmacht in den kapitalistischen Arbeitsbeziehungen konzipiert. Gewerkschaften sollen in Deutschland im Interesse der kapitalistischen Strukturen den Interessen des Standortes dienen und den sozialen Frieden sichern. Nicht selten reproduzieren andere Gewerkschaften selbst diese Logik und betrachten, lokal wie global, ArbeiterInnen an einem Ort als KonkurrentInnen der ArbeiterInnen an anderen Standorten. Diese Rollenzuschreibung samt der umfassenden juristischen Beschr\u00e4nkungen gewerkschaftlicher Handlungsfreiheit nehmen wir nicht hin.<\/p>\n<p>3.5. Politische Reformen lehnen wir nicht ab, wenn sie reale Verbesserungen der Lebenssituation beinhalten oder unsere Rechte st\u00e4rken und nicht im Widerspruch zu unseren Zielen stehen. Wir lehnen jedoch Reformismus als eine Haltung ab, die nicht versucht, die bestehenden Ausbeutungs- und Unterdr\u00fcckungsverh\u00e4ltnisse grundlegend zu \u00e4ndern, sondern sie stattdessen stabilisiert.<\/p>\n\n<div class=\"wp-block-image\">\n<figure class=\"aligncenter size-full is-resized\"><a href=\"https:\/\/www.fau.org\/\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"600\" height=\"91\" src=\"https:\/\/hamburg.fau.org\/wp-content\/uploads\/2024\/11\/link-fau-Kopie.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-3225\" style=\"width:450px\" srcset=\"https:\/\/hamburg.fau.org\/wp-content\/uploads\/2024\/11\/link-fau-Kopie.jpg 600w, https:\/\/hamburg.fau.org\/wp-content\/uploads\/2024\/11\/link-fau-Kopie-300x46.jpg 300w, https:\/\/hamburg.fau.org\/wp-content\/uploads\/2024\/11\/link-fau-Kopie-150x23.jpg 150w\" sizes=\"auto, (max-width: 600px) 100vw, 600px\" \/><\/a><\/figure>\n<\/div>\n\n\n<p><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die Prinzipien und Grundlagen unserer bundesweiten Gewerkschaftsf\u00f6deration: Prinzipien und Grundlagen der Arbeit der Freien Arbeiterinnen- und Arbeiter-Union (FAU) 1. 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